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Fundamental 28. Mai - 01. Juni 2018

26/06/2018

Fundamental 2018 – Persönlichkeitsentwicklung im Grünen

Wie bereits seit vier Jahren, zogen auch dieses Jahr sieben Jugendliche zusammen in den Wald um dort, in einem alternativen, herausfordernden und reduzierten Setting an ihrer Persönlichkeit im Bereich der Berufsvorbereitung zu arbeiten.

Im Bericht von Fundamental 2017 habe ich die vier Quellen der Entwicklung beschrieben, aus denen Kinder und Jugendliche solange trinken sollen, bis sie keinen Durst mehr haben. (RENZ-POLSTER / HÜTHER, 2016, Wie Kinder heute wachsen – Natur als Entwicklungsraum).

·        Quelle der Unmittelbarkeit
·        Quelle der Freiheit
·        Quelle der Widerständigkeit
·        Quelle der Verbundenheit

Besonders aus einer Quelle wurde dieses Jahr ordentlich getrunken:

Quelle der Widerständigkeit
Der Charakter der Natur - gegenüber der allumsorgenden Mutter Neuhof - ist, dass sie keine Rücksicht auf uns nimmt und ziemlich erbarmungslos mit uns umgeht. Denn die Natur ist widerständig. Widerständig gegenüber Beschimpfungen, Wutausbrüchen, Verzweiflungsschreien und Betteleien. Kurz gesagt, interessiert es die Natur ziemlich wenig, ob wir da sind oder nicht, wie es uns geht und vor allem, was wir gerade wollen oder eben nicht wollen.

Wir mussten schnell feststellen, dass sich die Natur nicht nach unseren Wünschen richtet. Als es keine Bäume an den richtigen Stellen hatte um unsere Zeltschnüre abzuspannen, pflanzte sie uns niemand. Als es zu ungünstigen Zeitpunkten regnete, stellte dieser niemand ab. Als es zu früh dunkel wurde, knipste niemand den Lichtschalter an. Als es hagelte und kalt wurde, drehte niemand die Heizung auf. Als wir müde wurden, erledigte niemand die Arbeit von uns. Als uns das Feuer nicht gelingen wollte, schaltete niemand den Backofen an. Als wir kein Holz hatten, brachte niemand welches vorbei. Da nütze alles Fluchen, laut- und wütend werden nichts. Nein! WIR mussten etwas tun. WIR mussten uns anpassen, UNSERE Emotionen an die Zügel nehmen und in UNSERER Eigenleistung dafür sorgen, dass wir nicht hungrig waren, damit wir trocken schlafen konnten und damit uns warm blieb. Wir mussten einen inneren Widerstand entwickeln gegenüber der Widerständigkeit der Natur und uns eine sichere Gegenwelt schaffen, in der wir uns geborgen, sicher und aufgehoben fühlten. Dies ist uns auch gut gelungen: wir hatten eine Stube, in der die meiste Zeit ein wärmendes Feuer brannte, eine gut eingerichtete Küche, ein schönes Badezimmer und viele trockene Schlafzimmer.

Ja, aus dieser Quelle haben wir reichlich getrunken…

Schlüsselkompetenzen
Die Erziehungsdirektion des Kantons Bern hat 10 Schlüsselkompetenzen zusammengestellt, die es für eine erfolgreiche Berufsausbildung braucht:

·        Einsatzfreude
·        Lernbereitschaft
·        Selbständigkeit
·        Verantwortungsbewusstsein
·        Pünktlichkeit
·        Zuverlässigkeit
·        Ausdauer
·        Ordnungssinn
·        Teamfähigkeit
·        Höflichkeit und Umgangsformen

Mit diesen 10 Kompetenzen setzten wir uns intensiv auseinander. Zuerst waren die Jugendlichen erstaunt, dass sämtliche Kompetenzen «nichts» mit ihrem Beruf zu tun hatten. Schnell merkten sie aber, dass diese 10 Kompetenzen das Fundament für ihre Berufslehre bilden. Denn ohne Lernbereitschaft, kann man auch nicht lernen zu schweissen…
Nachdem sichergestellt war, dass alle vom Gleichen sprachen, wurde mit jedem Jugendlichen evaluiert, wo seine Stärken und Schwächen liegen.

Im Verlauf der Woche wurde auch langsam klar, was eine Woche im Wald leben mit der Berufsvorbereitung zu tun hat. Eine Frage die uns oft im Vorfeld gestellt wurde und gar nicht mal so in ein oder zwei Sätzen beantwortet werden kann. Zumindest nicht so, dass die Antwort vom Jugendlichen auch verstanden und nachzuvollziehen war. 
Unser Ziel war es, dass sie sich die Antwort durch das eigene Erleben selber geben konnten. So trainierten, lernten, entwickelten und feilten wir an unseren Schwachpunkten und erlebten durch gemachte Erfolgserlebnisse und Momente des Gelingens unsere Selbstwirksamkeit und gewannen ein Stück mehr an Selbstvertrauen.
Solange bis alle verstanden hatten, dass eine Berufslehre deutlich mehr, ist als bohren und Wände anstreichen. Und Ausdauer, Zuverlässigkeit sowie Einsatzfreude (…) in jedem Beruf wichtig sind und als Basis dienen.

Die ganze Woche war gespickt mit Chancen und Möglichkeiten, die 10 Schlüsselkompetenzen zu trainieren, weiter zu entwickeln und lernen zu verstehen.
In einem Lebensraum mitten in der Natur fordern die alltäglichen Arbeiten mehr, als im komfortablen zu Hause. Die konstruierten Übungssettings sind sehr gut eingebettet und «getarnt» in den Alltagsarbeiten eines Camps – so ergeben sie Sinn.
Man kann sich vorstellen, dass es viele der oben genannten Schlüsselkompetenzen braucht, um im Wald eine Pizza zu backen oder seine Unterkunft zu bauen.

Dani Winter, Erlebnispädagoge
Devrim Balyos, Erlebnispädagoge
Balz Sterchi, Arbeitsagoge

Video Fundamental 2018

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