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Interessenwochenende "Wasser" 09. - 11. Juni 2017

21/06/2017

Kann man sich einfach mal treiben lassen?

Die Antwort darauf fällt Kontextabhängig unterschiedlich aus. Im Umfeld der Berufsbildung, mit einem klaren Ziel vor Augen, lautet die Antwort vermutlich Nein.

Dieselbe Antwort bekommt man auch, wenn man mit dem Kajak auf einem Fluss unterwegs ist. Dies mussten sechs Jugendliche sehr schnell feststellen, als sie das erste Mal im Kajak sassen und versuchten die andere Flussseite zu erreichen. Um sich einfach mal treiben zu lassen, ähnlich wie in der Berufslehre, blieb keine Zeit. Sofort trieben einem die 30 Kubikmeter Wasser der Thur flussabwärts und somit verlor man den Anschluss respektive strandete eine Flussbiegung weiter irgendwo auf einer Sandbank. Um das Ziel zu erreichen, brauchte es koordinierte Paddelschläge, eine gute Bootsausrichtung, etwas Körperspannung und den Willen ans gegenüberliegende Ufer zu kommen. Nach den ersten Fehlversuchen klappte dies dann auch bei allen.

Wasser symbolisiert Leben – Und für dieses Wochenende die Thur unser Lebensweg auf dem wir uns aufhalten und fortbewegen. Wie das richtige Leben, folgt die Thur, ohne Rücksicht auf uns, ihrem ganz eigenen Sinn und konfrontiert uns mit unveränderlichen Gegebenheiten: grosse Steine, umgefallene Bäume, Kehrwasser, Stromschnellen, steile Ufer, flache Ufer, störrische Strömungen, gemächliche Abschnitte, Brückenpfeiler, kleine Schwälle usw.

Mit alledem mussten sich die Jugendlichen in ihrem Kajak auseinandersetzen und lernen sich zu arrangieren. Denn der Fluss (des Lebens) verzeiht wenig. Einmal zu wenig aufgepasst, sitzt man schnell auf einem Stein fest oder kentert, weil man die Strömung falsch eingeschätzt hat.

Nur mit präzis gesetzten Paddelschlägen, wachem Geist, die Gegebenheiten richtig eingeschätzt, gut ausgerichtetem Boot, richtig dosierter Kraft und einem grossen Durchhaltewillen kommt man schlussendlich dort an, wo man hinmöchte und landet nicht irgendwo auf der Sandbank.

Dies und viele lebenspraktische Dinge haben die Jugendliche im Kajak auf einer handlungsorientierten Ebene am eigenen Leib buchstäblich er»fahren». Und das wichtigste am Schluss: Sie hatten sogar noch Spass daran.

Dani Winter
Dirk Stolp
Stephi Ziegler

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