Erlebnisberichte 2016

Weihnachtslager vom 27.12.2016 - 02.01.2017

Tag 1:
Um 10:00 Uhr trafen wir uns alle zu einem ausgiebigen und leckeren Brunch.  Vom Frühstück gestärkt, machten sich die Jugendlichen an das Packen. Nachdem alle Koffer und Taschen gepackt waren,  wurden die Autos beladen und wir machten uns auf den Weg nach dem ca. 95 km entfernten Kreuzlingen. Nach einer kurzen Pause an einer Raststätte erreichten wir das Pfadihaus „Seemöwe“ circa zwei Stunden nach Abfahrt vom Berufsbildungsheim Neuhof in Birr. Die Jugendlichen wurden kurz durchs Haus geführt, bevor sie mit ihrem Gepäck  ihr Zimmer bezogen. Nach einer kurzen Pause trafen wir uns um 15 Uhr im Aufenthaltsraum, wo wir die Ämtlis verteilten und  das Menü für das heutige Abendessen bestimmten. Die zwei Köche entschieden sich für selbstgemachte Pizza. So gingen wir alle gemeinsam ins Stadtzentrum von Kreuzlingen zum Einkaufen. Nach dem Essen sassen wir noch etwas zusammen und liessen den Abend gemütlich ausklingen.

Tag 2:
Auch den heutigen Tag starteten wir mit einem reichhaltigen Frühstück, wo wir gemeinsam das Tagesprogramm besprachen. Die Idee in den Säntispark zu den Erlebnisbädern und der Rutschenwelt zu fahren, fand bei den Jugendlichen regen Anklang und alle waren damit einverstanden. So fuhren wir circa eine Stunde nach Abtwil, wo sich dieses Badeparadies befindet. Diverse Rutschbahnen, Sprudelbäder und ein Solebad luden zum Baden ein. Es war für alle etwas dabei. So konnte ein Teil der Gruppe eine sehr gemütliche Zeit in den Sprudelbädern verbringen, während die anderen der Gruppe einen eher actionreichen Tag auf den Rutschbahnen des Säntisparks verbrachten. Die Rückfahrt nach Kreuzlingen war auf jeden Fall eher ruhig, fast alle Jugendlichen schliefen.

Im Lagerhaus angekommen, war der Hunger gross. So begaben sich die fürs Kochen verantwortlichen Jugendlichen sofort in die Küche und bereiteten ein vorzügliches Abendessen vor. Es wurden Nudeln mit Schweinsplätzli an einer Rahmsauce aufgetischt. Müde aber zufrieden zogen sich die Jugendlichen in ihre Gemächer zurück, wo sie noch etwas chillten.

Tag 3:
Nachdem die Jugendlichen heute etwas länger schlafen durften, ging es auf die Schwägalp. Von dort aus fuhren wir mit der Schwebebahn hinauf auf den Gipfel des Säntis. Das Wetter war mit blauen Himmel und Sonnenschein auf unserer Seite, so dass wir eine traumhaft weite Sicht auf die Berglandschaft geniessen konnten. Trotz des kalten Windes, war die Stimmung gut und die Jugendlichen machten fleissig Selfies vor dem schönen Panorama. Anschliessend wärmten wir uns bei heissem Kakao und Nussgipfeli im Gipfelrestaurant auf. Gestärkt und einen letzten Blick auf die Berge werfend, fuhren wir wieder hinab zur Talstation der Schwebebahn. K.o. von der vielen frischen Luft schliefen die Jugendlichen auf der Rückfahrt zum Pfadihaus sehr schnell ein. Es war ein toller Tag mit vielen schönen Eindrücken, der nur noch mit einem sehr gelungen selbstgemachten Braten zum Znacht getoppt wurde.  

Tag 4:
Heute wurde das Team gewechselt. So kamen um ca. 12:00 Uhr zwei neue Teammitglieder. Bevor zwei vom Team um ca. 15:30 Uhr den Nachhauseweg antraten, fand eine ausführliche Übergabe statt. Die Jugendlichen hielten sich in ihrem Zimmer auf, chillten etwas oder spielten Gesellschaftsspiele.

Tag 5:
Heute Morgen gab es einen reichhaltigen und leckeren Silvesterbrunch. Anschliessend unternahmen wir einen Ausflug an den Bodensee, wo wir einen Spaziergang tätigten. Bevor wir uns im Lagerhaus mit Gesellschaftsspielen vergnügten, kauften wir noch für die nächsten Tage ein. Zur Feier des Tages gingen wir auswärts essen. Wir entschieden uns für italienisches Essen. Nach dem wunderbaren Abendessen feierten wir im Lagerhaus mit einem kleinen Feuerwerk in das neue Jahr. Anschliessend wurde noch Scharade gespielt. Die Stimmung war ausgelassen und lustig.

Tag 6:
Ausschlafen am Neujahrstag. So gab es erst um 12:00 Uhr den Neujahrsbrunch. Man startete entspannt in den Tag und verbrachte den Nachmittag beim Schlittschuhlaufen.

Am letzten Abend gab es noch ein feines Znacht mit Lammsteaks und Rösti. Das volle Programm der letzten Tage spürte man in der Gruppe und so verbrachten sie den Abend mehrheitlich für sich auf ihren Zimmern. Vereinzelte Rückmeldungen liessen verlauten, dass es schade sei, dass das Lager nun schon zu Ende ist.

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Wanderwochenende vom 14.-16. Oktober 2016

Freizeitgestaltung
Geplant wurde eine Wanderung von Rotkreuz bis zurück zum Neuhof in Birr. Gute 50 Kilometer, Schritt für Schritt, durch die malerische Landschaft entlang der Reuss, dem Zuhause entgegen. Bereits die Ankündigung einer Wanderung traf bei den Jugendlichen auf heftigen Widerstand. Verweigerung, Proteste, Hinterfragen des Sinnes. Obwohl, oder gerade weil die Bereitschaft zu wandern sehr gering war, hielten wir an unserem Vorhaben fest. Weil die Jugendlichen das eingefleischte Vorurteil haben, es sei nur anstrengend und sinnlos, würden sie nicht von sich aus wandern gehen und könnten auch nicht die Vorzüge dieser Freizeitaktivität erfahren. Gewissermaßen ging es darum, den Jugendlichen durch real Erlebtes die Möglichkeit zu geben, sich ein eigenes Bild dieser Aktivität zu machen.

Motivation der Gruppe
Die Herausforderung des Lagers bestand nun darin, die Jugendlichen gezielt abzuholen und zu motivieren. Um den Gruppenzusammenhalt auf spielerische Weise zu festigen, wurden vorgängig einige PET-Flaschen auf dem Weg versteckt. Darin befanden sich Rätsel, welche als ganze Gruppe gelöst werden sollten, um den nächsten Posten zu finden. Den Jugendlichen wurde zudem eine Überraschung in Aussicht gestellt, wenn wir das Lager beendet hätten und zurück auf dem Neuhof wären. Mit dem Zug machten wir uns, bepackt mit Proviant und Schlafsäcken, auf den Weg nach Rotkreuz. Dort angekommen wurde kurzerhand die verantwortungsvolle Aufgabe der Gruppenführung an einen Jugendlichen abgegeben, indem wir ihm den ersten Hinweis der Schnitzeljagd aushändigten. Er musste die ganze Gruppe zum nächsten Posten führen und Pausen sinnvoll einteilen. Diese umgekehrte Rollenverteilung stieß auf Anklang und wir bestimmten von Zeit zu Zeit eine neue Führungsperson. Obwohl die Temperaturen bereits herbstlich frisch waren, kamen wir auf die Idee, eine Mutprobe zu lancieren und gingen in der eiskalten Reuss baden. Am Abend erreichten wir mit immer schwerer werdenden Schritten den Bauernhof in Boswil. Die Sonne war gerade untergegangen und tauchte mit ihren letzten Strahlen die Natur in eine herbstliche, warme Stimmung. In einer großen Scheune konnten wir unser Nachtlager beziehen. Nachdem ein Topf Spaghetti zubereitet und verspeist wurde, sanken wir gegen Mitternacht müde, aber stolz auf die Tagesleistung, in unsere Schlafsäcke und legten uns ins Stroh.

Am folgenden Morgen bereiteten wir unser Frühstück zu: Frische Milch vom Bauernhof, Brot und Rösti. Da die Jugendlichen am Vortag eine beachtliche Leistung hingelegt hatten, ließen wir ihnen die Entscheidung offen, bis nach Birr zurückzuwandern oder bei Wohlen den Zug zu nehmen. Wir schulterten unsere Rucksäcke und machten uns erneut auf den Weg. Von Wohlen waren wir mit dem Zug bald Zuhause. Nachdem wir den letzten Posten auf dem Neuhof gefunden hatten, lösten wir die Überraschung ein und fuhren nach Schinznach ins Thermalbad, um uns im warmen Wasser zu entspannen, einen schönen Abschluss zu machen.

Stefan Ryter Sozial-und Freizeitpädagoge
Deborah Weber Sozialpädagogin 

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Intensivpädagogisches Wochenende in Hausen der Wohngruppe 2 vom 09. - 11.09.2016

Am vergangenen Wochenende wurde ein gezieltes „intensivpädagogisches Wochenende“ mit fünf Jugendlichen der Wohngemeinschaft 2, begleitet von zwei Sozialpädagogen, realisiert.

Das Ziel bestand darin, die Thematiken der Jugendlichen in einem anderen Kontext, d.h. fernab vom Neuhof, pädagogisch aufzuarbeiten.

Am Freitag gegen 21.00 Uhr hat die Gruppe mit dem Geschäftsbus den Zielort erreicht. Gemeinsam widmeten wir uns dem Ausräumen des Gepäcks sowie des Einräumens der persönlichen Gegenstände und Lebensmittel, welche vorgängig eingekauft wurden. Anschliessend besprachen wir innerhalb der Gruppe die vorgegebenen Strukturen, bezüglich Nachtruhe, Brunch, Ämtliverteilung, etc.

Der restliche Abend gestaltete sich mit einem Gemeinschaftsspiel, das sogenannte „Brandi-Dog“, welches bei den Jugendlichen einen hohen Stellenwert hat und sehr beliebt ist. Um 23.00 Uhr herrschte dann Nachtruhe.

Am Samstagvormittag genossen wir um 10 Uhr einen leckeren Brunch, welcher von den Sozialpädagogen bereitgestellt wurde.

Nachdem wir ausgiebig gefrühstückt hatten, besprachen wir das geplante Programm, welches sich an intensiven Gesprächen sowie Auseinandersetzungen mit den aktuellen Thematiken/Problematiken jedes Einzelnen beschäftigte.

Das Tagesprogramm umfasste gezielte Bezugspersonenarbeit, welche sich daran orientierte, mit jedem Einzelnen gemeinsame Lösungsstrategien heraus zu arbeiten. Das Ziel bestand darin, dass sich die Jugendlichen mit ihren momentanen Lebenssituationen auseinandersetzen und entsprechende Strategien für sich schriftlich festhalten, um diese zukünftig, mit Unterstützung der Sozialpädagogen umsetzten zu können. Diese Sequenzen wurden in der Natur am Gewässer durchgeführt, um eine ruhige und angenehme Atmosphäre zu schaffen.

Der restliche sonnige Tag war begleitet von einer kleinen Wanderung, dem Baden am Fluss, gemeinsames Abendessen am Lagerfeuer, mit anschliessendem Spiel auf Wunsch der Jugendlichen.

Am Sonntag nach einem feinen Frühstücksbrunch widmeten wir uns dem Aufräumen und Putzen des Hauses.

Ein wichtiger und bedeutsamer Aspekt umfasste die Evaluationsrunde, in der die Jugendlichen sowie Sozialpädagogen die persönlichen Befindlichkeiten, Eindrücke und die Atmosphäre der Gruppendynamik zum Ausdruck brachten.

Angeknüpft an diese Feedbackrunde begaben wir uns auf den Rückweg.

Fazit: Das Wochenende war geprägt von einer Harmonie untereinander und einer spürbaren Motivation in Bezug auf die persönliche Auseinandersetzung mit den aktuellen Themen. Die beste Voraussetzung, um die Zukunftsperspektive in der Betreuungsarbeit zu festigen…

Für die WG 2
Deborah Weber

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Ankommen in der Wohnstufe 2

Dieses Wochenendlager ist den Neuankömmlingen in der Wohnstufe 2 gewidmet. Im Berufsbildungsheim Neuhof gibt es drei Wohnstufen. Die Wohnstufe 1 bietet den Jugendlichen den höchsten Grad an Betreuung; 24 Stunden, 365 Tage im Jahr. Wenn ein Jugendlicher eine gewisse Selbständigkeit und Eigenverantwortung vorweist, kann er in die Wohnstufe 2 wechseln, wo er in einer Zweier-WG auf dem Areal wohnt. In der Wohnstufe 3 besteht die Möglichkeit, extern zu wohnen und die Lehre auf dem Areal des Berufsbildungsheims fortzusetzen. Die Jugendlichen dieses Wochenendes sind vor den Sommerferien von der Wohnstufe 1 in die Wohnstufe 2 gewechselt und haben sich schon ein paar Wochen eingelebt. Zum einen geht es nun einfach darum, eine schöne Zeit miteinander zu verbringen, um sich kennenzulernen und eine Beziehung aufzubauen, zum anderen wollen wir eventuelle Herausforderungen im Alltag diskutieren.

Am Freitag packten wir unsere sieben Sachen zusammen und fuhren mit dem Bus nach Hausen im schönen Zürcher Weinland. Im Pfadiheim haben wir unser Quartier bezogen und sind nach dem Essen gleich noch in der Thur schwimmen gegangen.

Am nächsten Morgen, nach einem ausgiebigen Frühstück, machten wir uns auf den Weg, die Thurebene zu Fuss zu erkunden. Unterwegs galt es die Eisenbahnbrücke bei Gütighausen zu überqueren. Ein historisches Bauwerk aus dem Jahre 1874, konstruiert von Gustav Eiffel, 49 Meter hoch. Zwischendurch legten wir uns in die Kiesbänke und erarbeiteten zusammen eine Liste, wie wir uns die Haushaltung in den Wohnungen, sowie die Wohnungsabnahme vorstellen.

Nach der Wanderung war wieder ein gemütlicher Teil angesagt. Im Pfadiheim wurden kulinarische Grillköstlichkeiten vorbereitet und in die Rucksäcke verpackt. Anschliessend ging es zum nahegelegenen Werdhof, zum Grillieren, Baden, Fussballspielen, Entspannen. Bald schon kehrte Ruhe ein, einzig das Zirpen der Grillen begleitete uns in die Nacht.

Am Sonntag, nach dem Hausputz ging es in den Wald. Während die Jungs an ihren Wochen- und Tagesstrukturen arbeiteten, stellten wir bereits einige Niedrigseilaufbauten auf. Jeweils die zwei Jugendlichen, welche zusammen wohnen, sollten sich im Team absprechen, wie sie die kommenden Aufgaben gemeinsam angehen und lösen wollen. Das Erreichen der Ziele setzte Kreativität, Kommunikation, Vertrauen und Motivation voraus.

Mit vielen Erkenntnissen und einigen nachdenklichen Jugendlichen kehrten wir auf den Neuhof zurück. 

Stefan Ryter
Sozial- und Freizeitpädagoge

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Intensivpädagogisches Lager in Teufen vom 18. - 24.08.2016

Ohnmächtig aber nicht handlungsunfähig

Im Rahmen eines Intensivpädagogischen Lagers durfte ich mit D.S und drei Jugendlichen in Teufen (AR) eine Woche lang miterleben, was es für einen Jugendlichen heisst, mit Regeln und deren Konsequenzen konfrontiert zu werden.

Immer wieder wird der Neuhof mit der Situation konfrontiert, dass Jugendliche die Strukturen und Regeln unserer Institution so weit ausreizen, dass Konsequenzen nicht die geringste Wirkung zeigen. Denn, wenn keinerlei Regelakzeptanz vorliegt, können zu erwartende Konsequenzen auch keine Folgenabschätzung hervorrufen, oder die Jugendlichen wollen keine Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und entziehen sich den Konsequenzen. In diesem Fall entsteht innerhalb der Institution eine Ohnmacht. Soll heissen, wenn ein Jugendlicher strickt die Kooperation verweigert, und die Sanktionen nicht in Bezug auf sein Verhalten versteht, sind uns im Rahmen der institutionellen Strukturen die Hände gebunden. So kann beim Jugendlichen keine intrinsische Motivation entstehen, die Regeln anzuerkennen. Werden sie nur befolgt, weil sie von uns verlangt werden, setzt sich der Jugendliche damit in eine Opferrolle.

Um dieser Ohnmacht, innerhalb der Institution, zu entgehen, erweitern wir unseren Handlungsraum, indem wir die Jugendlichen ausserhalb der Institution, im Rahmen eines Intensivpädagogischen Lagers konfrontieren. Über Konfrontation und Erlebnispädagogische Elemente, soll ein Regelverständnis erarbeitet werden. Aus dem erlernten Regelverständnis kann sich dann eine Folgenabschätzung entwickeln. Das Ziel ist, dass die Jugendlichen die Konsequenzen schlüssig auf ihr eigenes Verhalten beziehen können. Der Leitsatz des Lagers lautete: „Was sind meine Ziele, und was bin ich bereit, dafür zu tun?“  

Sich nach einer zweistündigen Wanderung auf eine Militärplane setzen, ganz allein, isoliert von Kollegen, von Handys, vom Verkehr, von Ablenkung. Inmitten von Bäumen, die Wolken ziehen langsam am Himmel vorbei. Keine Uhr. Kein Zeitgefühl.  Langsam zur Ruhe kommen, die Gedanken sammeln, ganz bei sich sein. So sieht das erste Solo der Woche aus. Ausgerüstet mit Stift und Papier, etwas Verpflegung und einem Auftrag: „Überlegt euch doch mal, was eure Träume sind, was ihr erreichen wollt in eurem Leben, in ferner Zukunft. Überlegt euch, was ihr in den nächsten eins bis zwei Jahren schaffen wollt, zum Beispiel einen Lehrabschluss. Überlegt euch, was eure Ziele sind für die nächste Zeit, heute, diese Woche, diesen Monat. Und schreibt eure Ziele auf“. Eineinhalb Stunden später werden die Jugendlichen an ihrem Platz aufgesucht und die ausgefüllten Kärtchen eingesammelt. Es folgen ein zweistündiger Fussmarsch und die Auswertung des Solos. Anhand von simplen Alltagsbeispielen kristallisiert sich nach und nach die Quintessenz heraus, dass Regeln ein angenehmes Zusammenleben ermöglichen. Und, dass jede Handlung, beziehungsweise Befolgen oder Brechen der Regel eine Konsequenz nach sich zieht. Jeder ist für seine Handlungen und deren Konsequenzen selber verantwortlich.

Aushalten, aushalten, aushalten
Eine Veränderung der Einstellung lässt sich nicht ohne Widerstand herbeiführen. Die Konfrontation mit der ihnen auferlegte Eigenverantwortung löst bei den Jugendlichen die unterschiedlichsten Gefühle und Verhaltensweisen aus. Nichtwahrhaben, Aussichtslosigkeit, Frustration, Selbstzweifel, Schuldzuweisung, Resignation, Aggressivität, Rückzug, ein Wechselbad der Gefühle. Plötzlich kippt die Stimmung. Bald schon wird das gesamte Lagerprogramm boykottiert. Die Bereitschaft verweigert, Machtkämpfe angezettelt. Aushalten. Die Stimmung liegt auf dem Tiefpunkt. Die folgenden Stunden sind von Mühseligkeit begleitet, der Einkauf eine Tortur. „Schliesst bitte auf, wir sind als Gruppe da“. Aushalten. „Die Sozis sind nur da um uns zu bestrafen“. Aushalten.

Von der eigenen Haltung abzuweichen, würde die Jungs nur in ihrem Verhalten bestärken, und ihnen eine falsche Problemlösung vermitteln. Da heisst es auszuhalten und trotzdem die Bereitschaft zeigen, mit ihnen zu arbeiten. Anschuldigungen, Fehlbenehmen, die schlechte Stimmung hinunterschlucken. Immer wieder über seinen eigenen Schatten springen und die Hand reichen. Am Abend sind wir alle todmüde, und kriechen in den Schlafsack.

Am nächsten Tag werden am See Niedrigseilaufbauten errichtet. Der Parcours beginnt sehr einfach und steigert sich über schwer bis hin zu unmöglich. Die einzige Möglichkeit, den gesamten Parcours zu lösen, besteht darin, Hilfe von aussen anzunehmen. Es werden Parallelen gezogen zu Herausforderungen im Leben. Die Zeit auf dem Neuhof, der Austritt, die Lehre.

Der Fluss des Lebens
Am Ufer der Sitter setzten wir uns in die Kiesbänke und lösten verschiedene Aufgaben, wie zum Beispiel eine Bogenbrücke aus Steinen zu bauen oder Steintürme mit mindestens 20 Steinen zu errichten. Nach dem lockeren Teil wurde der Auftrag erteilt, sich jeweils alleine ans Ufer zu setzen, sich mit seiner Lebensgeschichte auseinanderzusetzen und diese bildnerisch auf Papier zu bringen. Mit allen Umwegen, mit Verzweigungen, mit Steinen im Weg, mit Strudeln und Schleusen. Die zweite Hälfte des Papiers soll den weiteren Fluss des Lebens darstellen. Die Zukunft, die Ziele.

Was genau dieses intensive Lager bei den Jugendlichen ausgelöst und bewirkt hat, ist schwer vorzuweisen. Sicher bleibt ihnen eine Erinnerung und vielleicht fällt es ihnen in Zukunft leichter, Entscheidungen für sich zu treffen und ihren Weg zu gehen.

Stefan Ryter
Sozial- und Erlebnispädagoge

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Interessenwochenende "Floss" vom 5. - 7. August 2016

Bin ich tragbar?
Mit 1200 Petflaschen und dieser Frage im Rucksack machten sich am Samstagmorgen vier Jugendliche auf den Weg nach Seengen am Hallwilersee. Dort angekommen wurde der (gedankliche) Bauplan, 20 Spanngurte und 18 Laufmeter 70mm x 70mm Kantholz ausgepackt.

Dem Gedanken „wie muss ein System konstruiert sein, damit es mich trägt?“ nachhängend wurde sämtliches Baumaterial miteinander verbunden,  verknotet und zusammengesetzt. Beim Zusammenbau wurde auf genügend Auftrieb, Stabilität, Festhaltemöglichkeiten, Gleichmässigkeit, Flexibilität und ein einfaches, praktisches Design geachtet. Mit viel Elan, Freude, Mut und einer grossen Portion Zuversicht kreierten wir unser eigenes,  durchaus sehr tragfähiges System, das uns auf dem Hallwilersee über Wasser hielt.

Schnell wurde festgestellt, dass nicht nur das richtige System, sondern auch unsere Verhaltensweise (wenig Blödsinn, aufeinander Acht geben, etc.) darin (oder eben darauf) entscheidend ist, um nicht schwimmen zu gehen.

Erfreulicherweise gelang dies allen sehr gut und es stellte sich heraus, dass ein gut konstruiertes System tragfähiger ist, als manche zuerst glauben wollen…vorausgesetzt man trägt seinen Teil dazu bei.

Diese Erkenntnis begleitete uns bei Wurst, Tomate, Gurke und Brot am Lagerfeuer und hoffentlich auch später im Schlafsack, unter einem wunderschönen Sternenhimmel. 

Dani Winter
Sozial- und Erlebnispädagoge

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Sommerlager 2016 der WG 1 vom 09.07.-15. Juli 2016

Unser diesjähriges Sommerlager führte uns nach Oppenau im Schwarzwald. Nach einer dreieinhalbstündigen Reise bei schönstem Wetter hatten wir unser Ziel erreicht und konnten das Haus beziehen. Abgesehen von etwas Schmutz, hoher Feuchtigkeit und nur einer Dusche gab es an dem Haus nichts zu beanstanden und die Zimmer konnten schnell bezogen und der Kühlschrank gefüllt werden. Am Sonntag strahlte uns ebenfalls die Sonne entgegen und so kam auch schon am ersten Lagertag etwas „Ferienfeeling“ auf. Mit unseren Fahrrädern radelten wir zum nahegelegenen Freibad, wo wir, wie sehr viele Einheimische auch, den Nachmittag verbrachten. Zurück beim Lagerhaus liessen wir den Tag schliesslich beim Grillieren gemütlich ausklingen.

Da uns der Wetterbericht für den Rest der Woche keinen wolkenlosen Himmel und tiefere Temperaturen prophezeite, entschlossen wir uns am Montag nochmals das Freibad zu besuchen, diesmal jedoch in Renchen. Da ein Gewitter unserem Badespass bereits am Nachmittag ein Ende bereitete, nutzten wir die verbleibende Zeit noch, um die Lebensmittel für die nächsten Tage einzukaufen. Am Abend machten wir es uns dann in unserer Unterkunft gemütlich. Bei etwas kühleren Temperaturen begaben wir uns am Dienstag auf eine 9 Kilometer lange Rundwanderung, welche uns auch am  28 Meter hohen Buchkopfturm vorbei führte. Auf dessen Plattform wurden wir nach 140 Stufen und 8 Stockwerken mit einer wunderbaren Aussicht auf das Maisachtal, Oppenau und die Rheinebene belohnt. Am darauffolgenden Tag lockte uns das wechselhafte, regnerische Wetter in die Kletterhalle in Offenburg, wo wir uns auf 250 Kletterrouten und im Boulderraum mit 140 Quadratmeter Kletterfläche austoben konnten. Unseren letzten Lagertag wollten wir dem Wetter entsprechend gestalten und so beschlossen wir, das gelungene Lager mit einem Kinobesuch ausklingen zu lassen, bevor es am Freitag auch schon wieder an der Zeit war, unsere Sachen zu packen, das Haus zu reinigen und uns auf die Heimreise zu begeben.

für die WG 1
Corinne Weber

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Sommerlager 2016 der WG 4 vom 02. – 08. Juli 2016

Samstag
Nach einem herzhaften Brunch  fuhren wir  trotz heftigen Niederschlägen, in guter Stimmung und entspannt gegen Westen unserem Ziel, dem idyllischen Burgäschisee entgegen. Leider war uns das Wetter weiterhin nicht hold und so mussten wir unsere Zelte und Schutzbauten bei strömendem Regen aufstellen. Der Boden glich schon bald eher einem Sumpfgebiet als einem Lagerplatz und dementsprechend sahen unsere Kleider aus. Gegen Abend klärte dann der Himmel etwas auf und so konnten wir die selbstgemachten Spiesse trotzdem noch am offenen Feuer braten und unsere hungrigen Mägen stillen. Auf grossen Wunsch hin sahen wir uns dann noch in einem Lokal mit „public viewing“ den Fussballmatch Deutschland gegen Italien an, welcher die deutsche Nationalelf nach einem krimimässigen Elfmeterschiessen knapp gewann. Todmüde konnten wir danach in unsere Schlafsäcke kriechen und bald darauf wurden alle vom Schlaf übermannt.

Sonntag
Heute weckte uns die Sonne und bald darauf konnten wir ein herzhaftes Frühstück mit allem Drum und Dran geniessen. Mit der neu erstellen Seilbahn fuhren wir auf den Weissenstein, von wo aus wir eine Rundwanderung machten und anschliessend zu Fuss wieder nach Solothurn hinunter pilgerten. Trotz anfänglicher Skepsis der Jugendlichen machten schlussendlich alle gut mit und konnten ihre Energie kanalisieren. Am Schluss genossen wir ein erfrischendes Bad im Äschisee bevor wir unseren  Hunger mit einem auf dem Feuer zubereiteten Tomatenrisotto und einem Braten stillen konnten. Einige wollten sich unbedingt den Fussballmatch Frankreich – Island zu Gemüte führen während andere sich an den neusten Songs an der Gitarre versuchten oder die Rösti für den morgigen Frühstückstisch vorbereiteten.

Montag
Nachdem wir die Bäuche gefüllt hatten machten wir uns auf den Weg zu unserer wunderschönen Hauptstadt. Unsere kleine Exkursion per pedes führte uns zuerst zum Bärengraben, dann an unzähligen kleinen Geschäften entlang zum Glockenturm. Weiter ging es dann zum Bundeshaus, wo man sich bei den Wasserspielen etwas abkühlen konnte. Nachdem wir die Aussicht von der Terrasse genossen hatten, führte uns der Weg zurück bis zu einer Gelateria, wo alle ein herrliches Eis geniessen durften. Wieder auf unserem Campingplatz zurück, genossen wir die schöne Abkühlung im Burgäschisee. Da heute kein Fussballmatch anstand, hatten wir Musse um zu singen, jonglieren, Fussballspielen oder auch nur um etwas zu „chillen“.

Dienstag
Zuerst genossen wir ein erfrischendes Bad im See und nachher ging’s hoch hinauf zur Solar-Bobbahn in Langenbruck. Immer schneller sausten wir den Berg hinunter und stellten immer neue Rekorde auf. Bis auf einige kleine Blessuren überstanden alle die rasanten Fahrten ohne Vorkommnisse. Auf grossen Wunsch aller entspannten wir uns nachher im Schwimmbad von Herzogenbuchsee. Nicht weil uns das Baden im See nicht gefiel sondern weil wir da zum ersten Mal wieder mit Seife duschen konnten. Die für uns am nächsten gelegene Dusche war nämlich  im ca. 1,5 km entfernten Seebad zu finden und dort ist der Gebrauch aller Duschmittel und Seifen untersagt. Frisch geduscht und gut duftend kehrten wir zu unserer Lagerstätte zurück, wo nach kurzer Zeit ein weiteres Mal ein nahrhaftes Nachtessen auf dem Tisch stand. Mit diversen Spielen und musikalischen Zeitreisen liessen wir den Abend ausklingen.

Mittwoch
Da die Runde am Lagerfeuer für ein paar Jugendliche  etwas länger als gewohnt dauerte, gestaltete sich heute das Aufstehen für  einige etwas schwieriger als sonst. Trotzdem konnten wir rechtzeitig den Weg nach Gruyères unter die Räder nehmen. In der Schaukäserei lernten wir einiges über die Zubereitung des Milchproduktes und konnten dann auch noch einige Müsterchen geniessen. Der Fussweg führte uns anschliessend zum malerischen Städtchen hinauf wo wir nach einem kleinen Rundgang die Pforten zum berühmten Giger-Museum durchschritten. Konzentriert und fasziniert sogen wir die Ausstellung förmlich in uns auf. Die Bilder und Skulpturen lösten die unterschiedlichsten Gefühle aus und boten anschliessend genügend Stoff für angeregte Diskussionen. Am Abend gab es dann neben Spaghetti mit einer italienischen Sauce einmal mehr eine der von allen geliebten „Spiessli-Kreationen“. Müde vom Erlebten legten wir uns heute frühzeitig in Morpheus Arme und schliefen bald ein.

Donnerstag
Heute nutzten wir den extrem heissen Tag zum Baden in Solothurn. Die einen wagten sich in schwindelnde Höhe und sprangen vom 10 Meter Brett in die Tiefe, während andere sich in der 19 Grad C warmen (oder kalten) Aare gemütlich hinuntertreiben liessen. Am Abend waren wir dann bereit für eine Pizza in einem italienischen Gartenlokal. Danach schauten wir uns natürlich noch den Halbfinal zwischen Deutschland und Frankreich an, welchen letztere, zum Bedauern einiger, gewannen.

Freitag
Nach einem frugalen Frühstück demontierten wir unsere Bauten welche uns vor der Unbill der Natur geschützt hatte, bauten  unsere Zelte ab und beluden die Fahrzeuge. Zum letzten Mal kühlten wir uns dann im See ab, bevor wir zufrieden und voller neuer Eindrücke unsere Rückreise antraten.

Ruedi Hunziker

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Ferienlager der WG 2 vom 02. - 09. Juli 2016

Das diesjährige Ferienlager führte Jugendliche und  Sozialpädagogen der WG 2 an den schöne Ferienort Borgo Val di Taro nach Italien. Die Gemeinde liegt südwestlich von Parma und grenzt unmittelbar an die Provinz Massa-Carrara.

Drei Landhäuser im ursprünglichen Stil im Naturschutzgebiet Ghirardi waren für eine Woche unser Feriendomizil. Die Ferienhäuser verfügten unter anderem über eine grosse Terrasse mit eingebauter Feuerstelle zum Grillen sowie einem Holzofen, in dem leckere Pizzas für uns zubereitet wurden.

Unsere Tagesausflüge führten uns an den idyllischen Fluss Taro, an welchem die Jugendlichen aus unterschiedlichen Höhen und mit verschiedenen Techniken ins Wasser sprangen und so ihre Begeisterung mit viel Spass ausleben konnte.

An dem ca. 1 ½ Stunden entfernten Strand von Sestri Levante genossen wir gemeinsam eine willkommene Abkühlung, mit zusätzlichen Aktivitäten wie Volleyball- und Badmintonspielen.

Zum Ausgleich war ebenfalls das Bummeln im Städtchen beliebt.

Die täglichen Aktivitäten richteten sich nach den Bedürfnissen und Wünschen der Jugendlichen, welche innerhalb der Gruppe festgelegt und besprochen wurden.

Nach Zurückkehren von den Ausflügen widmeten wir uns dem Zubereiten des Nachtessens, welches individuell von den Jugendlichen, unter Anleitung der Sozialpädagogen, bereitgestellt wurden. Anschliessend genossen wir das Zusammensein, welches geprägt war von Gemeinschaftsspielen sowie spannenden und intensiven Gesprächen.

Unsere Erinnerungen sind geprägt von…

- schönem Wetter              
- tollen Aktivitäten
- guten Gesprächen
- feinem Essen
… und der unbezahlbaren Schönheit der Natur

Team WG 2

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Interessenwochenende Biken vom 10. - 12. Juni 2016 in der Lenzerheide

Wir fuhren am Freitagabend direkt nach dem Neuhofbeachvolleyballturnier mit vier Jugendlichen nach Valbella/Lenzerheide zum Mountainbiken und Downhillen. Am Samstagvormittag stand ein kurzer Technikkurs auf dem Programm. Den Jugendlichen wurde die nötige Fahrtechnik vermittelt, welche bei Fahrten im anspruchsvollen Gelände zwingend notwendig ist. Die Motivation war trotz Nieselregen hoch und die Fortschritte der Jungs waren schon nach kurzem erkennbar. So konnten wir uns noch vor dem Mittag an die ersten Abfahrten ran tasten.
Da wir mit der Übernachtung in der Jugendherberge die Bergbahnen gratis benutzen konnten, mussten wir nicht erst hochpedalieren um die Downhillstrecke runter zu fahren.  Die Jungs zeigten schon bei den ersten Abfahrten, dass sie weder Angst noch grosse Mühe hatten beim Befahren der blauen Piste (leichteste Strecke). Sie fuhren die Steilwandkufen fast wie Profis, sprangen über die kleinen Schanzen und zeigten was in ihnen steckt. Aufgrund der guten Fahrtechnik war es schon bald möglich die rote Piste zu fahren, welche etwas steilere und teilweise mit grossen Steinen verblockte Passagen, engere Kurven und höhere Sprünge aufweist. Auch diese Strecke fuhren die meisten sehr sicher runter. In den verblockten Abschnitten sahen wir dann wo noch Übung, respektive Überwindung der Angst notwendig war. Besonders hervor zu heben ist, dass trotz der teilweise kräftigen Regenschauer die Motivation der Jugendlichen stets vorhanden war.

Am Sonntag starteten wir, nach einem ausgiebigen Frühstück in der Jugendherberge, bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen mit einer Fahrt zur Talstation. Wir nahmen die Bergbahn bis zur Mittelstation und machten anschliessend eine kleine Mountainbiketour welche auf normalen Trails zurück ins Tal führte. Dabei mussten verschiedene Untergründe mit unterschiedlichen Neigungen gemeistert werden. Im Unterschied zu den markierten und künstlich angelegten Pisten fuhren wir nun auf normalen Forstwegen, flachen Singletrails, Kuhweiden und stark verblockten Singletrails mit steilen Passagen und abschüssigem Rand. Die Jugendlichen benötigten auf dem neuen Terrain neben den gelernten Fahrtechniken auch eine gehörige Portion Mut und Überwindung. Alle meisterten die Herausforderung mit Bravur. Danach kam dann der anstrengende Teil, welcher eben den Unterschied zwischen Mountainbiken und Downhillen ausmacht. Wir mussten die Strecke die wir runtergedonnert waren wieder hochfahren um zurück zum Ausgangspunkt der Tour zu gelangen. Die wenigen Höhenmeter trieben dem einen oder anderen Jugendlichen die Schweissperlen auf die Stirn. Bis zur Mittagspause blieb noch genug Zeit um die Downhillstrecke noch einige Male zu rocken.
Nach der Pause konnten wir die Jungs dazu bewegen noch einmal einen kurzen Technikkurs zu absolvieren. Wir übten mit ihnen den Drop, eine Technik um von einer höher gelegenen Ebene auf eine tiefer gelegene Ebene zu springen. Hierzu konnten wir die künstlich angelegten Holzbahnen (North-Shore-Trail) nutzen. Die Jungs lernten erneut sehr schnell,  alle waren in der Lage einen 1.5 Meter Drop zu meistern. So konnten wir mit ihnen auf den roten North-Shore-Trail, auf welchem diese Technik eine Voraussetzung war um überhaupt ans Ziel zu kommen. Auch das war kein grosses Problem für die Jungs.
Die Zeit verlief wie im Flug und wir mussten schon bald wieder ans Aufbrechen denken. Mit etwas Wehmut verliessen wir die die Downhillstrecke und schafften es gerade noch vor dem grossen Regen zurück zur Jugendherberge um unser Gepäck und die Bikes im Anhänger zu verstauen.

Zur gleichen Zeit fand übrigens das Lenzerheide Motor Classics statt. Dia alten Rennwagen, welche an beiden Tagen sehr laut über die kurvenreiche Rennstrecke am Seeufer rasten, begeisterte uns zusätzlich und war eine willkommene Abwechslung.

Das Fazit aus diesem Interessenwochenende lautet: Wir hatten viel Spass, Freude, Adrenalin, Lernerfolg und einen zuverlässigen Schutzengel im Gepäck, so dass wir alle gesund und munter zurückgekehrt sind. Zudem hatten wir Unterstützung vom jungen J&S Bike-Guide Luca der selbstlos die Jungs unterrichtete. Nochmals herzlichen Dank an dieser Stelle.

Das IW Team

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Intensivpädagogisches Wochenende an Pfingsten 2016

Nachdem die Rahmenbedingungen des Wochenendes bereits am Freitagabend mit den Jugendlichen besprochen wurden, machten wir uns am Samstagmittag auf den Weg nach Réclère im französischen Jura. Am frühen Abend kamen wir schliesslich an und wurden von unserer Gastgeberin empfangen. Nach einem Rundgang wurde alles ausgeladen und wir durften unser Schlafquartier im Stroh beziehen. Schon bald war es Zeit für das Abendessen, welchem noch ein thematischer Input zum Thema Ziele – wo möchte ich in 3 Monaten, einem Jahr etc. stehen, folgte.

Am Sonntag begaben wir uns auf eine 9 Kilometer lange Rundwanderung, bei der es auch einige Höhenmeter zu überwinden gab. Während des Wanderns und der Pausen konnten diverse Gespräche geführt und individuelle Themen aufgegriffen werden. Gegen Abend kehrten wir erschöpft und zufrieden zurück auf den Bauernhof, wo wir den Tag noch gemütlich ausklingen liessen. Am Montag wurden die erarbeiteten Ziele und Strategien nochmals mit der Gruppe thematisiert, bevor wir uns schliesslich auf den Rückweg machten. Auf dem Neuhof angekommen, wurde zusammen alles verstaut und das IPW ausgewertet. Danach durfte sich jeder bis zum Abendessen noch etwas Ruhe und Freizeit gönnen.

17.05.2016, Corinne Weber 

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Auffahrtslager vom 4.5. bis 8.5.2016

Der erste Teil des Auffahrtslagers fand  auf dem Neuhof statt. Den Donnerstag starteten wir bei Sonnenschein zum Waldseilgarten Rütihof wo alle ihr Können und Mut in schwindelnder Höhe zeigen konnten. Am Freitag starteten wir nach Hausen ZH zu einer uns altbekannten Hütte, die wir bis Sonntag in Beschlag genommen haben. Der Samstag stand unter dem Motto „Wasser und Abenteuer“. Wir starteten mit einer 2 Stündigen Wanderung im Trockenen und stiegen dann ins kalte Bachbett der Urnäsch ein, wo Klettern, Schwimmen und Sonne tanken angesagt war. Den Sonntag nutzen wir zum Hausputzen und Relaxen. Auf dem Neuhof angekommen liessen wir das Lager bei einer selbstgemachten Pizza ausklingen und Revue passieren. Wir blickten auf ein ereignisreiches und spannendes Lager zurück, bei welchem die Jugendlichen und Mitarbeitenden wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse sammeln konnten.

Patrick Henke, Leiter Wohngruppe 3

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Gruppen-WE der Wohngruppe 4 vom 29. April bis 01. Mai 2016

Freitag
Nachdem wir den Bus geladen hatten fuhren wir der untergehenden Sonne entgegen Richtung Westen. Die Fahrt in den wenig besiedelten Jura dauerte etwas länger, da der neue Bus bei 100 km/h abgeriegelt war. Immer höher windete sich die Strasse herauf bis wir ins Vallée de Joux gelangten. Weiter hinauf trug uns die Strasse – doch bald machte uns der Schnee einen Strich durch die Rechnung, wir sanken ein und nur mit vereinter Hilfe und nach etlichen Versuchen konnten wir unser Fahrzeug wieder befreien.
So schulterten wir all unsere Siebensachen inklusive Kochkesseln, Nahrungsmitteln, Gerätschaften etc. und machten uns schwer beladen, bei völliger Dunkelheit auf den Weg durch den Schnee. Nach 40 Minuten erreichten wir ziemlich geschafft „unsere“ Schutzhütte auf 1‘367 m. Dort spalteten wir noch etwas Holz um dem russigen Ofen so tüchtig einzuheizen. Wir assen dann noch etwas Kleines bevor sich alle in Orpheus Arme legten. Die Jugendlichen zogen es vor im gutgeheizten Raum zu schlafen während Roland und ich es in die luftige Höhe  ( - 2 Grad C) zog wo wir auf dem Dachboden unsere Schlafsäcke ausbreiteten.

Samstag
Nach dem frugalen Frühstück mit Spiegel- und Rühreiern und selbstgebackenem Brot begrüsste uns vorerst noch die Sonne, doch bereits am frühen Nachmittag zogen dichte Wolken auf welche uns zuerst Regen und dann heftigen Schneefall brachten. Roland machte mit einem der Jugendlichen noch eine Exkursion zu einer anderen Schutzhütte und holte dann noch die Gitarre aus dem Auto während wir anderen die nähere Umgebung erkundeten.
Am Abend kneteten wir dann den Teig für die Pizzakreationen welche Roland in unzähligen, kleinen Portionen heranzauberte. Die Jugendlichen staunten, was man so alles mit einfachsten Mitteln machen kann. Als unsere Bäuche gefüllt und der Abwasch geschafft war, gab es neben edlen Gesängen mit Gitarrenbegleitung noch einige unterhaltsame Spiele. Zwischendurch musste immer wieder Schnee geschmolzen werden um das nötige Wasser zum Kochen etc. zu beschaffen.
Während wir gemütlich in der nun warmen Hütte sassen schneite es draussen unverdrossen weiter in die weite, lautlose Nacht hinein. 

Sonntag
Nachdem das Feuer entfacht und der Teig zubereitet war, machten wir zum Frühstück Pfannkuchen welche mit Ahornsirup und Nutella himmlisch mundeten. Danach packten wir unsere Sachen, brachten die Hütte wieder auf Vordermann und machten uns danach auf den Weg durch den inzwischen hohen Schnee. Beim Auto angelangt, waren wir dann froh, dass wir mit diesem ohne Komplikationen wegfahren konnten! Gegen Abend erreichten wir dann den Neuhof wo uns eine heisse Dusche wieder in der Zivilisation willkommen hiess.

Ruedi Hunziker

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Fundamentalwoche vom 18.04. - 22.04.2016

Am Montagmorgen bei strömenden Regen und Kälte brachen wir auf und fuhren in ein Waldstück auf dem Bözberg, welches wir für die nächsten 5 Tage bewohnten. Mit regenfester Kleidung trotzten wir dem schlammigen Waldboden und machten uns zunächst mit der Umgebung vertraut. Nachdem wir das Waldstück erkundet hatten, knüpfte sich jeder als Ritual und Zeckenprävention ein Hals-oder Armband, welches uns die ganze Woche begleitete. Den restlichen Tag verbrachten wir mit dem Aufbau der Infrastruktur (Küche, Latrine, Biwak, Feuerstelle, Gemeinschaftsüberdachung usw.).

Nach einem schlechten Wettereinstieg war uns der „Wettergott“ gnädig und wir hatten die restliche Woche blauen Himmel und Sonnenschein. So fiel es der Zmorge Gruppe am Dienstag nicht allzu schwer aufzustehen und bereitete uns erstklassige Pancakes zu. Wohlbemerkt, dass es draussen einiges mehr erfordert ein ordentliches Frühstück zuzubereiten als Zuhause einfach die Herdplatte anzustellen. Die Herausforderung am Morgen ist sicherlich ein anständiges Feuer zu machen, was mitunter viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Der Dienstag symbolisierte das 1. Lehrjahr und schnell wurde in der Gruppe gemeinsam herausgefunden, was es dazu vor allem braucht, nämlich Vertrauen. Bei anschliessenden Vertrauensübungen, wie zum Beispiel mit verbunden Augen durch den Wald laufen, konnten die Jugendlichen ihr Vertrauen zu sich und anderen gegenüber aufbauen. Besonders grosses Vertrauen und viel Mut benötigten die Jugendlichen am Nachmittag als es darum ging sich eine 12m hohe Felswand abzuseilen, was alle mit Bravour meisterten.  

Das zweite Lehrjahr stand ganz unter dem Motto „Durchhaltewillen“ und „Zusammenarbeit“. Wichtige Kriterien für das zweite Lehrjahr. Die erste Übung dahingehend bestand darin, einen Baumstamm über eine gewisse Distanz und nur unter bestimmten Fortbewegungsmöglichkeiten zu transportieren. Nach mehreren Anläufen und hitzigen Diskussionen, wie es denn nun am besten funktioniert, gelang es schliesslich, den Baumstamm über die Ziellinie zu transportieren. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse/Handlungsstrategien konnten sie nun beim Pizzaofen bauen unter Beweis stellen. Denn eines stand fest: Ohne Pizzaofen, kein Nachtessen. Es wurden zwei verschiedene Pizzaöfen gebaut, wobei der eine Pizzaofen mit knallartigem Lärm auseinanderfiel. Nun konnten unsere Jugendlichen beweisen, wie viel Durchhaltewillen in ihnen steckt. Am Abend gab es Pizza für alle und beim nächtlichen Lagerfeuer hörte man die begeisterten Stimmen der Jugendlichen und für viele war dies das Highlight der Woche.

Jede Ausbildung geht einmal zu Ende. Deshalb hiess es am Donnerstag, die Lehrabschlussprüfung zu bewältigen. Dazu mussten die Jugendlichen bis 14:00 Uhr für unseren Besuchstag verschiedene Prüfungen absolvieren. Prüfungsdisziplinen waren Organisation, Gruppeneinteilung, Kuchen backen, genügend Holz fürs Feuer hacken, Camp Ordnung herstellen, Führung durch das Camp vorbereiten usw. Pünktlich trafen die ersten Besucher vom Neuhof ein und fungierten zugleich als Prüfungsexperten. Prüfung bestanden. Wie jede bestandene Prüfung, feierten wie den letzten Abend mit selbstgemachten Hamburgern und liessen bei ausgelassener Stimmung den Abend ausklingen.

Ein letztes Mal mussten die Kräfte mobilisiert werden, um alles abzubauen und den Wald so zu hinterlassen, wie wir ihn vorgefunden haben. Auf dem Neuhof angekommen und in freudiger Erwartung auf eine Dusche, packten alle noch einmal mit an und halfen, das Material zu säubern und zu verstauen. Hundemüde, aber auf eine ereignisreiche Woche rückblickend, entliessen wir die Jugendlichen in ihr wohlverdientes Wochenende.

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Osterdienst 2016 vom 24. – 28.03.2016

Donnerstag 24.03.

Das Osterlager beginnt mit dem Beladen von zwei Kleinbussen für die Reise. Gepäck, Nahrungsmittel und Freizeitmaterial von sechs Jugendlichen und drei SozialpädagogInnen werden systematisch verstaut. Nach einem Spaghetti-Znacht starten wir mit der circa zweistündigen Fahrt Richtung Sörenberg im Kanton Luzern. Dort angekommen empfängt uns der Teamleiter und weist uns in das Lagerhaus ein; er wird die ganze Zeit über im Hintergrund Bereitschaftsdienst haben für den Notfall. Nach dem Einchecken begeben sich einzelne bereits müde ins warme Bett, andere gesellen sich noch etwas zum Kartenspiel und Smalltalk bis auch deren Augen sich schliessen.

Freitag 25.03.

Wir starten den Karfreitag mit einem reichhaltigen Brunch-Buffet. Am Nachmittag ist Schneeschuhlaufen auf dem Plan. Hierbei gehen einige Jungs auf Widerstand. Da wir hier kein Drill-Lager abhalten geben wir der Rebellen-Gruppe etwas Spielraum, der ist dann aber irgendwann aufgebraucht. Letztlich können wir die Tour mit fast allen Jugendlichen in Angriff nehmen. Zwei Jungs haben am Folgetag quasi die letzte Chance diese Aktivität nachzuholen. Im Schneegestöber waten wir also durch eine verschneite Moor-Landschaft und finden zufrieden zurück ins warme Lagerhaus. Da wir einen Koch in Ausbildung unter den Teilnehmern haben, kommen wir in den Genuss eines schmackhaften Znacht. Der Abend wird auf den Zimmern oder im Gemeinschaftsraum mit Gesellschaftsspielen verbracht. Mit Gitarrenklängen begleitet werden alle Arten von Liedern gesungen.

Samstag 26.03.

Während den Morgenstunden machen sich unbemerkt die besagten zwei „Sträflinge“ in sozialpädagogischer Begleitung auf zur Nachhol-Bergtour. Es darf hier erwähnt werden: die zwei mussten sich selbständig um 8 Uhr zum Zmorge anmelden und 30 min später pünktlich los marschieren; das hat reibungslos geklappt. Am Nachmittag steht ein Ausflug zum Kambly-Museum auf dem Programm. Allerlei süsses oder salziges Gebäck darf dort frei gekostet werden sowie gibt es einen Dokumentarfilm zu sehen welcher die Entstehungsgeschichte der vielfach preisgekrönten Guetzlimacher-Familie beleuchtet. Die Welt ist klein: Ein Jugendlicher ist im Nachbardorf aufgewachsen. Er bietet uns eine Dorfführung und nach einem Getränk im Dorf-Kafi geht’s wieder gestärkt zurück ins Lagerhaus. Die Welt ist noch kleiner: Ein anderer Jugendlicher kennt in Sörenberg jemanden der mit ihm die Grundschule besucht hat, so kommt dieser spontan zu einem kurzen Besuch ins Lagerhaus. Am Abend ist Raclette angesagt und im Anschluss daran wird mit Spielen wie „Monopoly“ und „Uno“ der käsige Geruch in der Luft sowie die Zeit vor der Zeitumstellung vertrieben. In der Küche werden Zopf und Osterhasen gebacken.

Sonntag 27.03.

Auch heute starten wir den Tag mit einem beliebten Ritual: dem Brunch. Danach sind vorerst Gemeinschaftsspiele oder Chillen im Zimmer angesagt. Am Nachmittag besuchen wir das nahgelegene Hallenbad. Die Wasserrutsche und der Whirlpool werden genutzt. Im warmen Wasser geht so richtig die Post ab: die Jungmannschaft versucht mit vereinten Kräften die Sozialpädagogen unter Wasser zu tauchen. Entgegen den Erwartungen schaffen sie das aber nicht so leicht wie angenommen, es müssen etliche Verlustpunkte hingenommen werden. Neben einem spannenden Wasser-Boxen zweier Jungs, überwacht von einem selbst ernannten Schiedsrichter. Ebenso wird gemeinsam im Kreis mit einem Wasserball kunstvoll bis hin zu artistisch abwechselnd jongliert. Fazit des Nachmittags: es war erlebnisreich und sportlich. Zum Ausklang des Abends sind wiederum Gemeinschaftsspiele im Trend. Die Küchenmannschaft beginnt bereits mit dem Packen für den morgigen Rückreisetag.

Montag 28.03.

Tagwache mit Brunch ist um 9 Uhr und anschliessend wird das Lagerhaus gereinigt. Wie vorgesehen können wir um 12 Uhr losfahren. Zuerst geht’s aber noch mit der Seilbahn satte 2300 Meter in die Höhe auf das Brienzer Rothorn. Nach einer beeindruckenden Panorama Besichtigung und einem Erfrischungsgetränk geht es wieder talwärts und die Heimreise kann beginnen. Auf dem Neuhof werden dann die Busse entleert und alles wieder versorgt wo es hingehört. Der Osterdienst endet mit einem gemeinsamen Znacht und einer Feedback-Runde welche durchaus positiv ausfällt.

Birr, 28.03.2016, Praktikant Daniel Irniger

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Themenwochenende „Wohnstufe 2 – Teil 1“ vom 10. – 12.03.2016

Sechs Jugendliche haben sich in den vergangenen Wochen für den Übertritt in die Wohnstufe 2 beworben. Mit diesen Jugendlichen und ihren sozialpädagogischen Bezugspersonen sind wir in ein gemeinsames Wochenende nach Teufen in Appenzell aufgebrochen.

Nach einem entspannten Ankommen und einer ersten Nacht, starteten wir am Samstagmorgen mit einem Austausch über die persönlichen Vorstellungen von den Bedingungen und Anforderungen in der Wohnstufe 2. Anschliessend setzten wir uns mit der Frage auseinander, welche Fähigkeiten jeder einzelne ausgebildet haben muss, um den Anforderungen und Bedingungen gerecht werden zu können. Mit diesen Eindrücken im Gepäck machten wir uns gemeinsam auf den Weg – metaphorisch gesehen aber auch ganz real. Auf unserer vierstündigen Wanderung erhielt jeder Jugendliche die Gelegenheit, mit seiner Bezugsperson eine persönliche „Standortbestimmung“ vorzunehmen. Hierbei ging es um einen Abgleich zwischen dem eigenen Entwicklungsstand und den notwendigen Fähigkeiten für einen Wohnstufenwechsel. Im Anschluss hat jeder Jugendliche daraus persönliche Ziele abgeleitet, die zu erreichen für einen Wechsel notwendig sind.

Geschafft von dem Weg und den intensiven Gesprächen haben wir uns, nach einem stärkenden Abendessen, einem entspannten Abendprogramm mit „Brändy Dog“ gewidmet. 

Am Sonntag setzten wir uns dann mit dem Thema der „Alltagsrituale und ritualisierten Handlungen“ auseinander. Wir erörterten gemeinsam, welche Rituale uns in unserem Alltag begegnen oder begleiten und welche Bedeutung Rituale oder ritualisiertes Handeln für uns hat. Je eigenständiger man lebt, desto wichtiger werden Rituale im Alltag. Sie geben nicht nur Sicherheit und Orientierung sondern verhindern auch ein permanentes Infragestellen von Handlungen („will ich heute Morgen aufstehen“; „wasche ich mich vor der Arbeit“; „habe ich heute Lust zum Lernen“…).

Zum Abschluss des Wochenendes hat jeder Jugendliche nach Ritualen gesucht, die für das Erreichen seiner persönlichen Ziele sinnvoll und notwendig sind.

Die persönlichen Ziele und die davon abgeleiteten Rituale werden den Jugendlichen auf seinem Weg in die Wohnstufe 2 begleiten und in den folgenden Wochen als Grundlage für die Auseinandersetzung mit jedem einzelnen Jugendlichen dienen.

Rückblickend kann man sagen, dass es ein sehr spannendes und produktives Wochenende war.

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Wohngruppe 4 – Gruppenwochenende vom 05. – 07.02.2016

Freitag 05.02.

Frisch bepackt und motiviert starten wir am frühen Abend Richtung französische Grenze nach Le Locle. Eine erste gemeinsame Erfahrung bietet bereits die Fahrt über Berg und Tal. Unser Busfahrer ist ein bodenständiger Naturbursche, ein begabter Papierkartenleser und Wegefinder, sozusagen ein moderner Indianer. Die Verarbeitung der ungewohnten digitalen Daten eines Navis, so ganz ohne Rauchzeichen, bietet uns demnach interessante Irrfahrten und einen nicht alltäglichen Einblick in abgelegene Gebiete wo sich wirklich noch Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Mit viel Freude und guten Mutes kommen wir dann doch noch am Zielort an und beziehen unser heimeliges Lagerhaus. Nachdem sich alle eingenistet haben, leiten wir das Wochenende mit einer Geschichte zum Thema ein; es fehlte nur noch das Lagerfeuer. Das Bettmümpfeli: Es streiten sich einzelne Körperteile darum, wer das wichtigste und überhaupt das beste Teil sei. Das geht bis dahin wo sich das Herz meldet und zu dem alles entscheidenden „Schlag“ ausholt bzw. unterbricht, worauf sich die ganze Meute wieder auf eine ausgeglichene und harmonische Einheit besinnt. Sanfte Gitarrenklänge erfüllen die nächtliche Atmosphäre sowie Spiel und Spass belebt den Raum bis die Nachtruhe einkehrt.

Samstag 06.02.

Der sonnige Tag beginnt an der frischen und noch relativ kühlen Luft mit einem Qi Gong (Tschi Gong); übersetzt bedeutet das Lebensenergie. In den vielfältigen und formreichen Bewegungen mit dem eigenen Körper geht es darum, die Einheit von Körper und Geist zu pflegen und fördern. Nach einem reichhaltigen Brunch ertönt der Startschuss für den ersten Workshop: Improtheater. Es wird auf spielerische Art im Kreis oder in Gruppen gearbeitet, mit Worten und Sätzen, mit Mimik und Gestik oder mit Materialien auf rhythmische Weise, wie zum Beispiel mit einem Holzstab. Es ist ein Angebot, entdecken zu dürfen was das Lagermotto bereits vorgibt: „Wir ziehen alle am gleichen Strick“ (am besten in die gleiche Richtung). Gefragt sind reichhaltige Teamerfahrungen, wobei die Eigenart des Einzelnen mit eingeflochten werden soll. Der Workshop wird beendet mit einem Gruppen-Battle: 30 einfache Nomen sollen binnen 10 Minuten rein pantomimisch und über Geräusche herausgefiltert werden. Eine Gruppe schafft das in stolzen 8 Minuten. Der Preis: Als Team hervorragend funktioniert zu haben. Zum Zmittag gibt es zur Freude des Gaumens Spaghetti Bolognese.

Am Nachmittag folgt, mit Spannung erwartet, ein Workshop im Freien. Dazu werden drei Gruppen gebildet. Skulpturenbau ist das Thema. Auf welche Art das umgesetzt und welches Material dafür aus der umliegenden Natur genutzt wird, das darf jede Gruppe für sich selbst bestimmen. Das dritte Projekt, die „Chilz-Bank“, geformt aus dem Schnee der Umgebung, kann gerne zum Liegen wie auch zum Sitzen genutzt werden. Beim Anblick dieser ästhetischen Skulptur wird es einem schon fast warm ums Herz.

Zufrieden kehren wir ins Lagerhaus zurück. Dort geht es ans Eingemachte: Wir dürfen uns aussprechen. Jeder bekommt Raum und darf sagen wie es um ihn steht. Wo drückt der Schuh? Was möchte ich gerne verändern, wo etwas bewegen? Wie können wir uns dabei gegenseitig ernster nehmen und unterstützen? Natürlich darf auch mitgeteilt werden was genossen und geschätzt wird. Zusammen wird noch thematisch in Gruppen gearbeitet und die Gedanken werden schriftlich festgehalten. Eine eindrückliche Offenheit sowie eine angenehme Stimmung füllten den Raum während dieses Workshops.

Den Abend verbringen wir mit käsigem Geruch in der Luft: Raclette! Spiel und Spass runden diesen Tag ab. Besonderer Vermerk: Zwei Jugendliche ziehen es vor, geradezu verpuppt wie eine Raupe vor dem Schlüpfen, mit Schlafsack und einer Prise Abenteuerlust, die Nacht erfolgreich draussen vor dem Lagerhaus zu verbringen, was sicherlich in Erinnerung bleiben wird.

Sonntag 07.02.

Heute ist unser Rückreisetag. Wiederum mit einem feinen Brunch inklusive frisch zubereiteter Rösti werden die müden Geister aufgeweckt. Bis um 12 Uhr soll die Bude geputzt und geräumt sein, was mit der nun teamerprobten Truppe reibungslos klappt. Aber die Aktion „Team Play“ ist noch nicht zu Ende. Wir dürfen nun, mit Mantel wärmend umhüllt und mit Schneeschuhen bewaffnet, gemeinsam eine kleine Bergwanderung erleben. So waten wir über schneebedeckten Stock und Stein hin bis zu einem Restaurant wo wir anschliessend ein warmes Getränk spendiert bekommen. Jetzt beginnt die Heimreise. Im heftig angebrausten Schneegestöber sitzen wir mit unseren Fahrzeugen alsbald im tiefen Schnee fest und kommen keinen Meter mehr weiter. Schneeketten müssen nun montiert werden und Geduld ist gefragt. So bekommen wir ganz ungeplant noch ein letztes Mal die Gelegenheit zu zeigen, ob wir verstanden haben, was die Sache mit dem Strick wirklich bedeutet. Zurück auf dem Neuhof, können wir gemeinsam, mit einem feinen Znacht und einem positiven Rückblick, gesund und zufrieden das doch sehr erlebnisreiche Gruppen-Wochenende abschliessen.

 Für die WG 4 Daniel Irniger im Februar 2016

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